Frühlingserwachen

Der erste sonnige Tag seit langem. Endlich lässt sich der nahende Frühling tatsächlich erahnen. Die Katzen Schwarz und Weiß sind entsprechend von der Rolle. Energiegeladen wie lange nicht mehr jagen sich die beiden den deckenhohen Kratzbaum rauf und runter und toben durch die Räume. Die Nachbarn müssen glauben, wir halten eine Herde Minipferde in der Wohnung. Schließlich kommen sie doch wieder zur Ruhe und liegen entspannt in der Sonne, während sich kleine Wölkchen feiner Katzenhaare über die Teppiche verteilen … Die nächsten Tage sind grau, kalt und stürmisch, und die Katzen Schwarz und Weiß fallen zurück in ihre Winterlethargie. Aber nicht für lange. Am Wochenende schaut die Sonne mal wieder um die Ecke. Während Katze Weiß faul die Wärme genießt, ist Katze Schwarz emsigst beschäftigt: die Hyazinthen und Tulpen grünen und so rupft sie ein grünes Sträußchen und trägt es mir fein säuberlich Halm für Halm vor die Füße. Garniert wird der Frühlingsgruß dann noch mit einem Pfauenauge, denn: Katze Schwarz hat einen Sinn für Ästhetik.
Und für Gesundheit.
Nur für Poesie, dafür hat sie nichts übrig.
Weswegen sie denn auch das (giftige) Grün verschmäht und sich stattdessen den (schönen) Schmetterling einverleibt.

Tilias Bauernregel Nr. 1:
Frisst den Schmetterling die Katze, spürt den Frühling sie in der Tatze

(Vielleicht lassen wir das mit der Poesie doch lieber …)

Neustart, die dritte

Still war’s die letzten Monate. Was keineswegs am schwarz-weißen Chaos lag. Obwohl die Katzen Schwarz und Weiß allmälich in gesetztere Altersklassen kommen, ist der Entdeckerdrang ungebrochen. Besonders spannend ist es zu beobachten, wie viel sich Katze Weiß von Katze Schwarz abgeguckt hat – und umgekehrt! Katze Weiß schnattert mittlerweile fast so viel wie die schwarze  Quasseltasche, und Katze Schwarz entwickelt immer stärker das Bedürfnis nach Körperkontakt. Wenn man bedenkt, dass sie sich die ersten Monate grundsätzlich und allerhöchsten neben einen gelegt hat, und es tatsächlich Jahre gedauert hat, bis sie – für wenige Minuten! – auf den Schoß kletterte, dann ist es noch einmal so schön, dass es abends bei uns immer öfter so ausschaut: 

Ihr versteht also hoffentlich, dass ich gerade zu gar nichts komme. Außer zu lesen. Und meinen eingeschlafenen Füßen nachzutrauern. 🙂
Bald geht es weiter – Katzenpfote drauf!

Genießer unter sich

Katze Weiß ist nicht nur eine Diva, sondern auch eine wahre Kennerin des Guten Lebens. Mit untrüglichem Stilempfinden liegt sie malerisch mitten im Weg, auf dem Tisch oder auch mal im Schuhregal. Zeig ihr eine Wohnung, und sie zeigt dir den besten Platz zum Faulenzen Entspannen. 
Katze Schwarz musste das erst mühsam lernen, doch sie ist ist ein gelehriges Katzentier und Katze Weiß eine wahre Meisterin des echten „Wohnungskatzen-Way-of-Life“. In ihren fünf gemeinsamen Jahren konnte Katze Schwarz nach und nach mehrere neue Perspektiven des wohligen Dösens kennen und schätzen lernen: auf dem Bett, auf Sesseln, in der Sonne, auf menschlichen Beinen … 
Den absoluten Höhepunkt konnte Katze Weiß ihr jedoch erst nach einigen Jahren nahe bringen: das Dösen unter der Wolldecke. Jahrelang schlief Katze Weiß ab einer gewissen Außenkälte grundsätzlich unter der Wolldecke auf dem Sofa (was natürlich den Zweck der Decke – das Sofa vor Katzenhaaren zu schützen – irgendwie ad absurdum führte, aber egal), während Katze Schwarz neben ihr auf der Decke schlummerte. Bis sie sich irgendwann traute, Katze  Weiß hinterherzuschlüpfen. Seitdem kann man keine Wolldecke mehr auf dem Sofa ausbreiten, ohne dass Katze Schwarz versucht, drunter zu kommen. Die Decke selbst ist ihr dabei immer etwas unheimlich, man muss sie ihr ein wenig hochhalten, sonst traut sie sich nicht so richtig. Mittlerweile fordert sie ihr Recht auf einen Platz unter der Decke keck und selbstbewusst ein; reagiert die Menschenfrau auf zartes Gekralle an der Decke nicht in angemessener Geschwindigkeit wird schon mal ungehalten gemaunzt. 
Katze Weiß stört es nicht, die Decke zu teilen. Sie findet immer genügend Platz. Katze Schwarz hingegen teilt schon mal das menschliche Schicksal und findet sich urplötzlich der Decke beraubt und an den Sofarand gedrängt wieder. 
Willkommen im Club, denkt sich die Menschenfrau nicht ohne eine kleine Spur von Schadefreude, und rettet das schwarze Tier vor dem Absturz.
Genießen kann sie jetzt, „Diva sein“ hingegen muss Katze Schwarz noch lernen.

Advent

Advent ist, wenn Katze Schwarz des Nächtens sämtliche (!) Geschenkbänder vom Arbeitszimmer quer durch den Flur in die Küche und um jedes erreichbare Stuhlbein wickelt. 
Jeden Morgen freut sich die Menschenfrau ein Loch in den Bauch, friemelt alles wieder ab, rollt jede Schnüre auf, pflückt die Katze vom Bein und packt alles wieder weg.
Und jeden Morgen sind die Schnüre ein Stückchen kürzer. Am 24. ist vermutlich nichts mehr übrig. Und was habt ihr so für Adventskalender?

Eine unendliche Geschichte

Katze Schwarz liebt Bällchen.

Stundenlang turnt das Katzentier in allerlei merkwürdigen Verrenkungen hinter dem Bällchen her.
Es gibt nur eine Sache, die Katze Schwarz mehr liebt als Bällchen: die Bällchen-Jagd. Je wilder, desto besser!

Wenn die Bällchen-Jagd starten soll, legt Katze Schwarz das Bällchen ab und wartet.
Die Menschenfrau wirft das Bällchen von der Küche quer durch den Flur ins Wohnzimmer.

Katze Schwarz hechtet hinterher, hat nur noch Augen für das Bällchen.
Verfehlt den Türrahmen um haaresbreite,
rast Katze Weiß gnadenlos über den Haufen –
und schnappt sich das Bällchen (möglichst noch im Fluge).
Bringt es – schwuppdiwupp – wieder zurück.
Spuckt es der Menschenfrau vor die Füße.
Bereit für die nächste Runde.

Nach dem zehnten Mal verliert die Menschenfrau allmählich die Lust.
Katze Weiß wirkt auch schon leicht gereizt.
Doch Katze Schwarz hat noch immer nicht genug.
Schleppt Bällchen an und spuckt es der Menschenfrau vor die Füße.
Oder in den Abwasch.
Oder auf die Zeitung.
Oder in die Brotdose – der Möglichkeiten sind viele, und Katze Schwarz testet sie alle.

Die Menschenfrau mag wirklich nicht mehr werfen.
Katze Schwarz will das nicht einsehen. Sie quengelt.
Wie kann die Menschenfrau das Bällchen übersehen!
DA! LIEGT! ES! DOCH!

Katze Schwarz jammert, drängelt, zetert und quäkt.
Sie zerrt an Hosenbein und Ärmel.
WIRF! sagt ihr Blick.

Katze Weiß nutzt die Gelegenheit, ihren reichlich derangierten Pelz aus der Gefahrenzone zu tragen und verzieht sich ins Kinderzimmer.

Die Menschenfrau wirft das Bällchen.

Katze Schwarz sitzt in der Küche und sieht dem kleinen Hüpfer hinterher.
Die Menschenfrau atmet auf – endlich mag auch das Katzentier nicht mehr – und widmet sich wieder dem Abwasch.
Katze Schwarz schlendert davon.

Sie muss nur schnell mal was holen: