Warum ich so selten schreibe oder Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es der Katze nicht gefällt

Abends. Der Menschenmann guckt Star Trek. Die Menschentochter wirbelt durchs Wohnzimmer, wuschelt den Katzen Schwarz und Weiß einmal durchs Fell und verschwindet wieder zu PC und Headset. Die Menschenfrau hätte nichts dagegen, auch ein wenig Star Trek zu schauen, also macht sie es sich auf dem Sofa gemütlich. Kaum sitzt sie, kommt Katze Weiß angehoppelt. Stupst ein bisschen mit der Nase und setzt sich dann neben die Menschenfrau. Guckt auf die Decke, die schon in Erwartung kätzischer Höhlenliebhabern sorgfältig über die Sofalehne drappiert daliegt. Guckt mit großen runden Augen zur Menschenfrau. Schnurrt ein bisschen. Die Menschenfrau lässt sich überreden, steht auf und hält der Katze Weiß die Decke auf, damit diese schnell unter die Decke huschen kann. Nur: Katze Weiß huscht nicht. Katze Weiß dreht sich zweimal im Kreis und lässt sich dann mit betonter Eleganz auf den angewärmten Sofaplatz der Menschenfrau nieder. Eingerahmt von den Sofakissen, die die Menschenfrau eigentlich für den Rücken – und überhaupt – und! Ach, guck, wie niedlich sie liegt!

Egal, setzt sich die Menschenfrau halt neben die Katze. Auf der Decke ist es auch gemütlich und die Kissen für den Rücken braucht sie ja eigentlich auch gar nicht. Ja, eigentlich ist es auch ganz nett so, mit der kleinen, warmen, plüschigen Katze Weiß in angenehmer Kraulreichweite … selbstvergessen streichelt die Menschenfrau das weiße Tier, da zupft es von der anderen Seite an ihrer Schulter. Die Menschenfrau dreht den Kopf. Katze Schwarz maunzt ihr entgegen. Ob sie wohl so freundlich wäre? Sie säße da ja auf der Decke, und Katze würde gern – reflexartig steht die Menschenfrau auf und hält der Katze Schwarz die Decke auf. Erst als die sich zufrieden in ihrer Höhle einrollt, während sich Katze Weiß daneben in der Sofaecke genüsslich reckt, wird der Menschenfrau klar, dass das Sofa Platz für vier Menschen bietet oder aber  zwei Katzen. Blöd gelaufen.

Nun hat die Menschenfrau keine Lust mehr auf Star Trek, da kann sie dann vielleicht auch einfach ein bisschen arbeiten. Flugs den Laptop geschnappt und ins Schlafzimmer verschwunden. Die Textverarbeitung ist gerade gestartet, die Rechercheseiten im Hintergrund bereit, da öffnet sich die Tür und Katze Weiß kommt herein gehoppelt. Mit hoch gezogenen Augenbrauen beobachtet die Menschenfrau, wie das Katzentier ganz nonchalant aufs Bett hüpft und freundlich maunzend ein paar Streicheleinheiten einfordert. Energisch schiebt und drängt sich das Katzentier vor den Laptop auf den Schoß und schnurrt zufrieden, als es gelingt.

An Arbeit ist so nicht zu denken.

Die Menschenfrau hat genug. Katze Weiß soll runter und der Laptop wieder her,  Katze Weiß hingegen hat andere Pläne, und ihre Krallen sind auf ihrer Seite. Und in der Hose der Menschenfrau.

Angespanntes Aneinandergezerre.

Die Menschenfrau ruft nach der Menschentochter, auf dass sie das teuflische Katzentier entferne. Der Plan gelingt – kaum ist die Tochter da, folgt ihr das Katzentier nach draußen. Die Menschenfrau atmet auf und vertieft sich in ihre Arbeit. Eine knifflige Formulierung fordert ihre ganze Konzentration, gleich hat sie es – ein Luftzug rauscht an ihr vorbei und landet mit einem hörbaren „Flump“ neben der Menschenfrau auf dem Bett. Es raschelt und knistert.

Katze Weiß ist zurück.

Katze Weiß will nicht kuscheln, Katze Weiß kämpft! Mit Krallen und Zähnen und gesträubtem Fell springt und zerrt und wirbelt sie an der Laptop-Hülle herum.

Die Menschenfrau hat dann doch nicht mehr gearbeitet.

Tieffliegende Katzen und andere Freuden der Gartenarbeit

Um es gleich vorweg zu nehmen: wir haben keinen Garten.

Aber wir haben einen Balkon, auf dem so einiges an Grünzeug vor sich hin wuchert.

Neben diversen Kübeln werden jedes Jahr 3 Balkonkästen mit Blumensaat versehen, die ich dann voller Hoffnung an den Balkon hänge und von da an täglich beäuge, ob sich denn schon etwas Grünes zeigt. In den letzten Jahren wurde mein Warten nicht immer belohnt: einige Tauben hatten mein Bemühen irgendwie missverstanden und die Kästen als Frühstücksbuffet zweckentfremdet.
Das hat jetzt ein Ende – seitdem Katze Weiß und Katze Schwarz den Balkon zu ihrer zweiten Heimat erklärt haben, hat sich seltsamerweise keine Taube mehr blicken lassen.

Leider gilt das auch für die Kapuzinerkresse.

Die ersten zarten Pflänzchen hatten sich gerade der Sonne entgegengereckt, da lagen sie auch schon wieder platt am Boden.

Tiefes Grübeln – Tauben mit übergroßen Füßen?!? Wohl eher nicht.

Auf die Lauer gelegt.

Übeltäter auf frischer Tat ertappt:

Katze Weiß.
War ja klar. Hätte ich ja auch gleich drauf kommen können *andiestirnklatsch*
Denn:
Katze Weiß bevorzugt – wie die Fellfarbe andeutet – dunkle Untergründe. Balkonmöbel sind hell. Bleibt ja nur die dunkle Blumenerde übrig …
Zarte Hinweise meinerseits auf die unglücklich gewählte Höhenlage (3. Stock) ignorierte Katze Weiß geflissentlich.

Seitdem hatten wir also vor dem Balkon zwei Blumenkästen voller Kapuzinerkresse und anderem Blühzeugs und einen Blumenkasten voll Katze. Toll.

Bis es dann eines schönen Tages einen gewaltigen Rums gab.
Ein vorsichtiger Blick nach unten bestätigte mir, was ich geahnt hatte:
Absturz aus dem dritten Stock heißt Totalschaden.

Übeltäter?

Katze Schwarz schlief tief und fest.
Katze Weiß hockte unterm Sessel und wusch ihre erdigen Pfoten in Unschuld.

Von da an hatten wir dann schließlich gar keine Blumenkästen mehr hängen. Zur Freude von Katze Weiß haben wir die Kästen zu den Kübeln auf den Boden gestellt, wo das Katzentier dann nach Herzenslust in der Erde wühlen konnte. Bis es anfing, das Ginkgobäumchen auszugraben. Aber DAS ist eine andere Geschichte …