Im Wartezimmer

Der Samstagvormittag beinhaltete eine mehr oder weniger spontane Reise, die insbesondere Katze Weiß nicht so richtig toll fand. Dabei haben wir einen richtig lieben Tierarzt! Ist aber alles halb so schlimm – der leidende Ausdruck ist den Umständen geschuldet.

Knappe Sache

Katze Schwarz ist ein eifriges Tier. Beschleunigt von 0 auf 100 in weniger als 2 Sekunden. Eben noch Tiefschlaf, zack sitzt sie neben einem, weil man halt gerade die Dose mit der Teewurst geöffnet hat. Die Instinkte der Katze Schwarz schlafen nie.

Das musste auch eine unvorsichtige Blaumeise am eigenen Leib erfahren. Eben noch flattert sie sorglos vor sich hin – und zack, ein Rumms, und das Vögelchen hängt in der schwarzen Katzenschnauze.

Katze Schwarz macht sich eilig auf, ihren Fang in Sicherheit zu bringen. Der piepst einmal schwach seinen Protest in die Welt hinaus und ruft damit die Menschenfrau und Katze Weiß auf den Plan. Während Katze Schwarz noch versucht, Katze Weiß zu umgehen, die der Jagdbeute der Katze Schwarz grundsätzlich recht aufgeschlossen gegenüber steht – zu aufgeschlossen, wenn es nach Katze Schwarz geht – arbeitet sich die Menschenfrau von der anderen Seite an die umherschleichende Katze Schwarz heran.

Es gibt ja zu Hauf diese Berichte von gerührt-angeekelten Katzenbesitzern, die davon erzählen, wie ihnen das Katzentier freudestrahlend Beutetiere als Geschenk vor die Füße legt. Katze Schwarz ist da nicht ganz so sentimental. Sie hält nicht viel von Geschenken. Ihre Beute hat sie selbt erlegt und möchte sie auch – bitteschön! – selbst verspeisen. Katze Weiß möge sich das bitte endlich hinter die weißen Puschelohren schreiben.

Gleiches möge gefälligst auch für die Menschenfrau gelten, doch die ist noch unhöflicher als Katze Weiß und klemmt sich die Katze Schwarz samt Beute zwischen die Füße. wo sie das widerwillige Katzentier nötigt, die Blaumeise loszulassen. Die ist arg zerrupft und kann gerade mal zweimal hilflos mit den Flügeln flattern, da stürzt auch schon Katze Weiß heran. Die Menschenfrau hätte jetzt gern 8 Arme, mindestens, schafft es aber irgendwie, zwei komplett durchgedrehte Katzen auf Abstand zu halten, während sich eine geschockte Blaumeise an ihren Finger krallt und nicht den Eindruck erweckt, diesen irgendwann in nächster Zeit wieder loslassen zu wollen. Wer könnte es ihr verdenken.

Mit Mühe kämpft sich die Menschenfrau den Weg auf den Balkon frei. Dort überredet sie die Blaumause dazu, sich doch lieber an einen Rest Löwenmäulchen im Blumenkasten zu klammern, nimmt ihren Finger und zwei enttäuschte Katzen mit hinein und schließt die Tür fest hinter sich zu.

Die nächsten Minuten kleben die Katzen Schwarz und Weiß förmlich an der Scheibe. Die Blaubmeise braucht etwas mehr als 5 Minuten, um sich zu berappeln. Schließlich schüttelt sie sich, plustert sich ein ein wenig zurecht und fliegt davon.

Der Bund der Wölfe von Nina Blazon

Seit letzter Woche faste ich – keine neuen Bücher bis Ostern. Also, selbst gekaufte. Schenken zählt nicht 😉 Außerdem habe ich auch dieses Jahr das Ziel, vorrangig die Bücher zu lesen, die schon länger ungelesen bei mir im Regal stehen. Deshalb werde ich also in nächster Zeit eher von älteren Büchern berichten.
Beim heutigen Buch kann ich nicht mal mehr genau sagen, wie lange ich es habe, oder warum genau ich es eigentlich bei Tauschticket eingetauscht hatte … irgendwie hatte es auf jeden Fall mein Interesse geweckt, aber offensichtlich nicht nachhaltig genug, um gleich gelesen zu werden. Ob sich das lange warten gelohnt hat?

Das Buch

Nina Blazon
Der Bund der Wölfe
Sauerländer aare, 2006
206 Seiten
ISBN 3-7941-7039-3
Buch im Katalog der DNB

Mein Leseeindruck

Die 16jährige Blanka hat ein Stipendium der Maddalina-von-Trenta-Stiftung für die renommierte Europa-Schule bekommen, einem Elite-Internat, das auf den Mauern eines alten Klosters erbaut wurde. Wie es sich für Elite-Schulen gehört, gibt es auch an dieser eine geheime Vereinigung älterer Schüler: dem Bund der Wölfe. Wer alles zu ihnen gehört, scheint geheim, eines ist jedoch sicher: es sind die Wölfe, die im Verborgenen die Geschicke der Internatsschüler bestimmen.

Gleich an ihrem ersten Tag rasselt Blanka mit den Wölfen zusammen: alle neuen Schüler erhalten eine mitternächtliche Führung, bei der die maskierten Wölfe Blanka allein auf dem Internatsgelände zurücklassen. Auf dem Weg zurück ins Wohnheim stolpert Blanka beinahe wortwörtlich über eine Leiche: eine unbekannte Frau ist in der Bibliothek zu Tode gestürzt. Die Polizei geht von einem bedauerlichen Unfall aus, doch Blanka hat das ungute Gefühl, dass mehr dahinter stecken muss – und irgendwie sind die Wölfe darin verwickelt. Sie beginnt nachzuforschen und begibt sich damit in große Gefahr, denn die Wölfe haben nicht vor, sie davonkommen zu lassen.

Mit knapp 210 Seiten Umfang lässt sich der Jugendroman der Autorin Nina Blazon schnell lesen. Der Stil ist flüssig, die Geschichte voller Rätsel und spannend erzählt, und trotzdem wollte der Funke bei mir nicht so richtig überspringen. Die geheimnisvolle und bedrohliche Stimmung kam mir an einigen Stellen zu aufgesetzt vor und nicht immer fand ich Blankas Verhalten nachvollziehbar. Vermutlich hätten dem Buch einige Seiten mehr und damit Raum für die Entfaltung der Geschichte gebraucht, um mich vollständig zu überzeugen, allerdings gehöre ich auch nicht unbedingt zum Zielpublikum dieses Jugendthrillers mit Mystery-Einschlag.
Fazit: Eher durchschnittliche Unterhaltung für Menschen ab 14 J.

Traumörtchen

Treue Leser des Blogs wissen es vielleicht noch: Katze Weiß und das Katzenklo – das kann ein durchaus traumatisches Thema sein. Entgegen gängigen Empfehlungen, die da lauten „pro Katze ein eigenes Kistchen + 1 dazu“, teilen sich die Damen Schwarz und Weiß ihr Örtchen. Deshalb haben sie auch eine recht große Kiste, trotzdem gab es immer mal wieder zarte Hinweise, dass sie beide nicht ganz glücklich mit der Situation waren. Nichts Dramatisches, sie ließen nur dann und wann einen gewissen Eifer beim Verscharren des Geschäfts vermissen. Was bei einem Katzenklo mit Haube auch nicht weiter schlimm ist. Und dennoch: es gab Optimierungsbedarf!

Dem spielte nun der Zufall in die Hand: Die Menschenfrau stöbert ja gerne mal nach links und rechts, wenn der 14tägige Großeinkauf Katzenfutter im örtlichen Zoogeschäft ansteht. Sehr zum Leidwesen des Menschenmannes, aber das nur nebenbei. Einer dieser Stöbergänge führte nun letztens in die Ecke mit den Katzenkistchen. Und da stand es und wartete darauf, entdeckt zu werden: das Traumörtchen! Ein schickes, rotes Kistchen mit zarter weißer Haube, dessen großzügige, dreieckige Grundfläche Scharrvergnügen deluxe verhieß. Sogar der Menschenmann war spontan für den Kauf, und das will einiges heißen!

Das Kistchen war etwas unhandlich im Transport, entwickelte sich aber zu Hause sofort zum Herzensbrecher: Katze Weiß war verzückt! Keine zwei Sekunden, nachdem das Kistchen bei uns eingezogen war, war Katze Weiß auch eingezogen. Liebe auf dem ersten Blick! Schade nur, dass Katze Weiß offenbar eher eine Schlafhöhle im Sinn hatte … Zum Glück gelang es uns recht zügig, sie nicht nur davon zu überzeugen, dass die Traumhöhle auch als Traumkistchen zu gebrauchen ist, sondern auch davon, dass Katze Schwarz ebenso ihr Plätzchen darin finden kann.

Seitdem ist das Traumörtchen nun schon einge Zeit im Gebrauch – und die Damen Schwarz und Weiß scharren und wühlen darin, dass die Streu nur so durch die Gegend fliegt … 😀

Warum ich so selten schreibe oder Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es der Katze nicht gefällt

Abends. Der Menschenmann guckt Star Trek. Die Menschentochter wirbelt durchs Wohnzimmer, wuschelt den Katzen Schwarz und Weiß einmal durchs Fell und verschwindet wieder zu PC und Headset. Die Menschenfrau hätte nichts dagegen, auch ein wenig Star Trek zu schauen, also macht sie es sich auf dem Sofa gemütlich. Kaum sitzt sie, kommt Katze Weiß angehoppelt. Stupst ein bisschen mit der Nase und setzt sich dann neben die Menschenfrau. Guckt auf die Decke, die schon in Erwartung kätzischer Höhlenliebhabern sorgfältig über die Sofalehne drappiert daliegt. Guckt mit großen runden Augen zur Menschenfrau. Schnurrt ein bisschen. Die Menschenfrau lässt sich überreden, steht auf und hält der Katze Weiß die Decke auf, damit diese schnell unter die Decke huschen kann. Nur: Katze Weiß huscht nicht. Katze Weiß dreht sich zweimal im Kreis und lässt sich dann mit betonter Eleganz auf den angewärmten Sofaplatz der Menschenfrau nieder. Eingerahmt von den Sofakissen, die die Menschenfrau eigentlich für den Rücken – und überhaupt – und! Ach, guck, wie niedlich sie liegt!

Egal, setzt sich die Menschenfrau halt neben die Katze. Auf der Decke ist es auch gemütlich und die Kissen für den Rücken braucht sie ja eigentlich auch gar nicht. Ja, eigentlich ist es auch ganz nett so, mit der kleinen, warmen, plüschigen Katze Weiß in angenehmer Kraulreichweite … selbstvergessen streichelt die Menschenfrau das weiße Tier, da zupft es von der anderen Seite an ihrer Schulter. Die Menschenfrau dreht den Kopf. Katze Schwarz maunzt ihr entgegen. Ob sie wohl so freundlich wäre? Sie säße da ja auf der Decke, und Katze würde gern – reflexartig steht die Menschenfrau auf und hält der Katze Schwarz die Decke auf. Erst als die sich zufrieden in ihrer Höhle einrollt, während sich Katze Weiß daneben in der Sofaecke genüsslich reckt, wird der Menschenfrau klar, dass das Sofa Platz für vier Menschen bietet oder aber  zwei Katzen. Blöd gelaufen.

Nun hat die Menschenfrau keine Lust mehr auf Star Trek, da kann sie dann vielleicht auch einfach ein bisschen arbeiten. Flugs den Laptop geschnappt und ins Schlafzimmer verschwunden. Die Textverarbeitung ist gerade gestartet, die Rechercheseiten im Hintergrund bereit, da öffnet sich die Tür und Katze Weiß kommt herein gehoppelt. Mit hoch gezogenen Augenbrauen beobachtet die Menschenfrau, wie das Katzentier ganz nonchalant aufs Bett hüpft und freundlich maunzend ein paar Streicheleinheiten einfordert. Energisch schiebt und drängt sich das Katzentier vor den Laptop auf den Schoß und schnurrt zufrieden, als es gelingt.

An Arbeit ist so nicht zu denken.

Die Menschenfrau hat genug. Katze Weiß soll runter und der Laptop wieder her,  Katze Weiß hingegen hat andere Pläne, und ihre Krallen sind auf ihrer Seite. Und in der Hose der Menschenfrau.

Angespanntes Aneinandergezerre.

Die Menschenfrau ruft nach der Menschentochter, auf dass sie das teuflische Katzentier entferne. Der Plan gelingt – kaum ist die Tochter da, folgt ihr das Katzentier nach draußen. Die Menschenfrau atmet auf und vertieft sich in ihre Arbeit. Eine knifflige Formulierung fordert ihre ganze Konzentration, gleich hat sie es – ein Luftzug rauscht an ihr vorbei und landet mit einem hörbaren „Flump“ neben der Menschenfrau auf dem Bett. Es raschelt und knistert.

Katze Weiß ist zurück.

Katze Weiß will nicht kuscheln, Katze Weiß kämpft! Mit Krallen und Zähnen und gesträubtem Fell springt und zerrt und wirbelt sie an der Laptop-Hülle herum.

Die Menschenfrau hat dann doch nicht mehr gearbeitet.